Historisches Rudow und seine Feuerwehr - ein historischer Rückblick Rudow wird nicht von ungefähr von seinen Bewohnern und Einwohnern als das „Dorf“ bezeichnet. Auch wenn die dörflichen Strukturen heute zumindest in der Anlage nur noch schwer zu erkennen sind, so blickt Rudow doch – schon vor seiner Eingemeindung nach
Groß -Berlin - auf eine über 550-jährige Geschichte als märkisches Dorf zurück. Aus dem Grau historischer Spekulation tritt Rudow im Jahr 1373 mit der ersten urkundlichen Nennung in einem Lehnsbrief. Bis zu diesem Zeitpunkt muss man sich das Löschen im Brandfall als dörfliche Nachbarschaftshilfe vorstellen. Dieses von der Angst vor dem Feuer getragene Nächstenhilfe spiegelt sich bis heute in dem Leitspruch der Feuerwehren "Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr!" wider. In die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts datiert im benachbarten Berlin die Gründung der Berufsfeuerwehr. Als engbebaute Stadt noch mehr der zerstörerischen Gefahr des Feuers ausgesetzt, entschloss man sich unter dem Eindruck des Opernbrandes 1843 und der Unruhen 1848 zur Gründung der Berliner Feuerwehr. Die Alarmierung im Brandfall erfolgte immer noch durch "Geschrey" der Bürger in den Straßen, das den Nachtwächter seines Amtes walten lassen sollte. Dieser blies dann mit seinem Horn Feueralarm, um die Löschmannschaften zu wecken . . . Leider wussten diese damit noch nicht, wo es brannte. Aber man hatte die Notwendigkeit einer gemeindlich organisierten Brandbekämpfung erkannt. Der Begriff der nachbarschaftlichen Hilfe, nun zwischen den Feuerwehren der Stadt und der Dörfer, blieb und das bis zum heutigen Tage.
Auch hier in Rudow wurden damals die Kameraden durch ein Hornsignal alarmiert. Eines der Hörner hatte der Wehrführer, die anderen beiden hingen in den örtlichen Gaststätten, so auch im "Alten Krug", der ältesten Gaststätte Rudows.
Die Freiwillige Feuerwehr Rudow pflegte einen regen Erfahrungsaustausch, insbesondere mit den Wehren in Alt – Glienicke und Tempelhof, aber auch mit den umliegenden Wehren in Johannisthal, Grünau, Bohnsdorf, Schönefeld, Groß – Ziethen, Britz, und Buckow. 1920 wurde das Dorf Rudow nach Groß – Berlin eingemeindet und bildet seitdem zusammen mit Neukölln, Britz und Buckow den Berliner Bezirk Neukölln. Mit der Entlassung des Leiters der Berliner Feuerwehr Gempp, unter anderem wegen angeblicher marxistischer Umtriebe, wurde 1933 bereits deutlich, welche Veränderungen die auf die Machtergreifung folgenden Jahre für die Feuerwehr in Berlin mit sich bringen sollten. Vier Jahre später, 1937, wurde die Organisation der Feuerwehr nach luftschutztechnischen Erfordernissen ausgerichtet und im Zuge dieser Umstrukturierung mit modernen Diesel – Kraftfahrzeugen ausgestattet. Ein Jahr später wurde die Berliner Feuerwehr als "Feuerschutzpolizei" in die Strukturen der Polizei eingegliedert. Sie unterstand als solche dem Reichssicherheitshauptamt und dem Reichsführer SS. Der Begriff "Feuerwehr" fand jetzt nur noch für die Freiwilligen Wehren Verwendung. Die Kriegsjahre trafen die Feuerwehr hart, auch wenn es dem damaligen Leiter der Berliner Feuerwehr Goldbach in einem vom 22. April datierenden Befehl gerade noch gelungen war, die Feuerwehren der Gruppe Nord und Ost in Richtung Westen in voller "Friedensstärke" zu evakuieren, so blieb der Berliner Feuerwehr bei Kriegsende nur ein Bruchteil ihrer Gebäude und Fahrzeuge. Der Verlust unter den Kameraden ist unbeziffert. Einigen Mitgliedern der FF Rudow, darunter dem Brandmeister Karl Helwig, gelang es bereits im Sommer 45 unter den denkbar schwierigsten Bedingungen, die Einsatzbereitschaft wieder herzustellen. So wurde zum Beispiel ein alter Peugeot – Lieferwagen in Eigenarbeit zum Krankenwagen umgebaut. Rudow gehörte nun zum amerikanischen Sektor West -Berlins. In den ersten Jahren wurden hier Freiwillige Wehren als eher überflüssig betrachtete und abgebaut. So auch die FF in Alt -Buckow. Erst der Mauerbau machte deutlich, dass West -Berlin im Katastrophenfall auf sich allein gestellt sein würde, und die Auflösungswelle wurde gestoppt. Unter alliiertem Einfluss erfolgte dann sogar die Etablierung von zusätzlichen Freiwilligen Wehren auf Berufswachen.
Die alte Wache Rudow in der Köpenicker Straße war mit den beengten Räumlichkeiten schon immer klein gewesen. In dem für Pferdegespanne ausgelegten Gebäude ließen sich die neuen Fahrzeuge nur schwer unterbringen. So konnte das Tanklöschfahrzeug nur in den Sommermonaten in Dienst genommen werden, weil man es auf dem Hof stationieren musste. Auch der Raum für den im 24-Stunden-Dienst tätigen Feuerwehrbeamten, den sogenannten Stammmaschinisten, war viel zu beengt. Dieser Hausposten war für die Pflege und Instandhaltung des Gebäudes und der Fahrzeuge zuständig, sowie für die Aufnahme von Alarmen der Leitstelle. Er nahm mündlich von den Rudowern gemeldete Alarme entgegen, erwartete die Freiwilligen bei Alarmen und fuhr notfalls auch mit bzw. steuerte das Löschfahrzeug. Auf Grund der Raumverhältnisse wurde der Neubau einer Wache auf Alt – Rudow in angriff genommen, wo dann auch im September 1977 Richtfest gefeiert werden konnte. Am 2. August 1978 wurde die heutige Wache dann in Dienst genommen. Die neue Fahrzeughalle hat nun drei Ausfahrten und die Telegrafie, der Fernmelde- und Wachraum, ist mit aller technischer Finesse ausgestattet, wie sie auch auf Berufswachen zu finden ist.
Die Ausstattung im fahrzeugtechnischen Bereich wurde ebenfalls wie folgt aufgestockt: 1 Löschgruppenfahrzeug – LF 161 Tanklöschfahrzeug – TLF 16/20W 1 Krankentransportwagen – KTW 1 Rettungsboot auf Anhänger – RB 1 Tragkraftspritzenanhänger mit TS 24/3 Drei Jahre später wurde dann die Jugendfeuerwehr der FF Rudow gegründet, eine unverzichtbare Einrichtung für eine Wehr, die ausschließlich aus Freiwilligen besteht und nun dank der Jugendarbeit motivierten und vorqualifizierten Nachwuchs in ihre Reihen aufnehmen kann. Die Alarmtätigkeit für den RTW ( Rettungstransportwagen) – der UW (Unfallwagen) war dem KTW und dieser dem RTW gewichen – nahm Mitte der achtziger Jahre derartig zu ( ~ 120 Einsätze im Monat) , dass ein weiterer RTW mit einer Berufsfeuerwehrbesatzung in Rudow stationiert wurde. Im September 1984 wurden bei der Berliner Feuerwehr die ersten 9 Lösch – Hilfeleistungsfahrzeuge – eine bei der Berliner Feuerwehr neu entwickelte Fahrzeuggeneration – in den Dienst gestellt. Die Rudower Wehr erhielt damals als einzige Freiwillige Feuerwehr Berlins dieses neue Löschfahrzeug. Diese Fahrzeuge gehören heute zur Standardausrüstung der Freiwilligen und Berufsfeuerwehren in der Stadt. 1988 gab es in West -Berlin 14 Freiwillige Feuerwehren ohne eigenen Ausrückebezirk, die einer Berufswache beigeordnet waren, und neun Freiwillige Wehren mit einem eigenen Zuständigkeitsbereich, unter denen Rudow immer eine der einsatzstärksten war. Ein Jahr später trat die erste Frau in die FF Rudow ein. Seitdem sind weibliche Kameraden kein Novum mehr und haben ihre Stellung in der Wehr erobert und behauptet. Das Jahr der Wiedervereinigung brachte für Rudow und seine Feuerwehr – wie für die ganze Stadt – große Veränderungen mit sich. Hatte man noch im November 1989 von der Wache aus Besucher aus Ost – Berlin und dem Umland mit heißen Getränken versorgt, so hat sich jetzt der Bereich in dem die FF Rudow tätig wird, bis nach Treptow und in den Landkreis Dahme – Spree erweitert. Das Rettungsamt Ost wurde im Juli 1991 in die Berliner Feuerwehr eingegliedert und die Notrufnummer gilt seitdem in ganz Berlin zur Alarmierung zur Brandbekämpfung und Personenrettung. Im Rahmen dieser Umstellungen erhielt die Wache Rudow die Nummer 5210, eine Zahl die immer noch zugleich Kennung und Name ist. Den Hausposten jedoch gibt es seit Mitte der neunziger Jahre nicht mehr. Jetzt verweist ein Schild auf die bekannte "112" und die Freiwilligen müssen beim Ausrücken die Tore selbst hinter sich schließen. Der Fahrzeugbestand sah zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen aus: 1 Löschfahrzeug LHF 16/12 Die angeglichenen Strukturen und die Zusammenarbeit über Bezirks-, Stadt-, und gar Bundeslandgrenzen hinweg bewährten sich erstmals 1997 bei der Bekämpfung des Oderhochwassers, dann 2002 beim Einsatz an der Elbe oder im September 2010 beim Großeinsatz nach einem schweren Busunfall am Schönefelder Kreuz. Die Herausforderungen an die FF Rudow und ihre Kameraden dokumentieren sich auch in dem modernisierten Fahrzeugpark. Im Herbst 2010 konnte die Wehr bedingt durch das Konjunkturpaket 2 ein vollkommen neues LHF 20/8 in Empfang nehmen. Der Wehr stehen aktuell 1 LHF 20/8 zur Verfügung.
Doch sollte man sich nicht täuschen lassen. Die Geschichte dieser Wehr schreiben nicht Fahrzeuge oder Jahreszahlen. Sie wird von Freiwilligen geschrieben . . |
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